Zuletzt aktualisiert Januar 17, 2021

Wir leben in einem Land der Fleischessenden, das lässt sich nicht leugnen. Hierzulande schlachten wir sogar zehnfach so viele Nutztiere, wie Menschen in Deutschland leben 1. Gleichzeitig hat Deutschland die höchste Anzahl vegetarisch lebender (11 %, also acht Millionen) und vegan lebender Personen (1 %, ca. 870.000) der westlichen Welt.

Wer sich noch zu den restlichen 88 % rechnet, doch hin möchte zu einer pflanzenbasierte Lebensweise, wird sicherlich mit grundlegenden Glaubenssätzen und Aussagen wie diesen konfrontiert:

  • Aber es ist normal doch, Fleisch zu essen!
  • Unsere Vorfahren machen es schon immer so.
  • Fleisch ist essentiell für eine gesunde Ernährung.
  • Und ja, Fleisch schmeckt eben.

Es ist doch paradox

Je mehr sich an veganer Ernährung interessierte Menschen jedoch mit dem Thema befassen, desto schneller erweisen sich die Annahmen als falsch oder fehlerhaft. Vor allem das „Fleisch-Paradoxon“ 2 3 4 5. ist wissenschaftlich gut erforscht: Menschen wollen Tieren kein Leid zufügen, doch rechtfertigen bzw. rationalisieren das gewaltsame Schlachten dieser Lebewesen, um weiterhin Fleisch essen zu können ohne sich dabei schlecht zu fühlen.

warum wir hunde lieben schweine essen und kühe anziehen

Den Karnismus durchschauen

In ihrer Doktorarbeit erklärt Sozialpsychologin Melanie Joy dies mit dem Begriff des „Karnismus“ – ein System aus Überzeugungen, welches das Essen bestimmter Tiere normalisiert und vor allem das Mitgefühl gegenüber den verspeisten Lebewesen, das wir spüren, enorm vermindert. Tiere werden zum Objekt und zählen für uns nicht mehr als fühlende Wesen – außer natürlich, es handelt sich um domestizierte Haustiere wie Hund und Katze… welche bekanntlich in asiatischen Ländern auch auf der Speisekarte stehen.

Karnismus Melanie Joy

Fleisch zu essen ist also keineswegs „normal“ sondern ein Produkt der gesellschaftlichen Mechanismen, die uns umgeben und sozialisieren. Das System des Karnismus und der Objektifizierung verzerrt unsere Fähigkeit, selbstbestimmt zu leben und verwehrt uns als Blockade im Weg zu einer pflanzenbasierten Ernährung.

Handelst du gegen deine wahren Werte?

Sie überlagern unsere inneren Signale und erschweren es uns – oder machen es gar unmöglich – unsere eigenen Werte und Gefühle auszuleben. Wir erachten Tiere als gleichwertig, doch fördern durch den Fleischkonsum ein gewalttätiges System, das Lebewesen ausbeutet und missbraucht. Dahinter verbergen sich, wie Studien belegen, Machtstrukturen die den Mensch als den Tieren überlegen ansehen 6 7. Dabei is der Mensch auch nur ein Tier unter vielen.

Wir handeln also bewusst und unbewusst auf eine Art, die im Widerspruch zu unserer Überzeugung steht. Diese kognitive Dissonanz zu bemerken ist ein wichtiger Schritt, um die Blockade zu lösen und das eigene Handeln mit den eigenen Werten und Überzeugungen in Einklang zu bringen.

Karnismus kognitive Dissoziations

Hier ein paar Startpunkte zur Inspiration, wie du die Blockade des Karnismus loswirst

Doch wie genau ist es möglich, der Objektifizierung und dem Karnismus zu entkommen?

Hierfür gibt es wissenschaftlich-fundierte Strategien, die einfach umzusetzen sind.

Strukturelle Probleme, wie zum Beispiel mangelnden Zugang zu pflanzenbasierten Produkten, oder politische Hindernisse, die der Lösung der Blockade im Weg stehen, sollen hier außen vor gelassen werden.

An dieser Stelle geht es um Möglichkeiten, die in deiner Macht liegen, sodass du selbst den Weg zurück zu einer wahrlich selbstbestimmten Lebensweise finden kannst.

Strategie 1: Informiere dich.

Noch immer besteht viel Unklarheit darüber, wie sich der enorme Fleischkonsum auf unserer Welt auswirkt. So zeigte eine internationale Umfrage, dass sich lediglich 30 % der befragten Personen der belegten negativen Auswirkungen der Fleischindustrie auf die Umwelt bewusst sind 8.

Auch die Tatsache, dass der Verzehr von Fleisch anscheinend die Anfälligkeit für Krebs oder Herzkrankheiten erhöht 9 10, wird gerne unter den Tisch gekehrt. Wer Nutztiere objektifiziert, spricht ihnen zudem ab, dass sie ebenso Emotionen haben und leidensfähig sind, wie unsere geliebten Hunde und Katzen.

Aufklärung und Informationen allein reichen natürlich nicht, um eine Verhaltensänderung auszulösen oder eine Blockade zu überwinden. Sie fördern aber deinen mentalen Shift – weg vom blockierten Leben, hin zur aus dir heraus motivierten Selbstbestimmung.

Strategie 2: Folge veganen Vorbildern.

Eine Möglichkeit, deine eigene Motivation zu steigern auf Fleischkonsum zu verzichten, liegt in einer anderen Art von Konsum: nämlich welche Inhalte du in den Medien aufnimmst.

Je länger und öfter du mit veganen Vorbildern konfrontiert wirst, desto normaler wird diese Lebensweise für dich. Du siehst anhand realer Beispiele wie es Menschen geht die sich pflanzenbasiert ernähren. Dadurch wirst du der Beeinflussung durch die Gesellschaft und die Wirtschaft nicht entgehen, doch kämpfst aktiv gegen die psychische Abstumpfung an, die zum Karnismus und zur Objektifizierung beiträgt.

  • Eatthisorg, vegan-lebendes Pärchen und Food-Blogger auf Instagram;
  • Laurafruitfairy, vegane Influencerin auf Instagram;
  • Bianca Zapatka, gelernte Köchin und Food-Stylistin, die vor allem vegane Rezepte auf Instagram teilt;
  • CatyCake, vegane YouTuberin;
  • VeggieWorld, Instagram-Account der vegane Food-Messe.

Natürlich gibt es noch viel mehr Menschen, die online über ihre pflanzenbasierte Lebensweise bloggen, in allen denkbaren Sprachen. Finde heraus, wer dir am meisten zusagt!

Strategie 3: Versuche es einmal „flexigan“.

Für die meisten Menschen geschieht der alltägliche Fleischkonsum unbewusst. In der Wissenschaft wird hier gerne Bordieus Habituskonzept herangezogen, denn Fleischessen stellt eine Grundregel dar, die von den meisten Menschen nicht hinterfragt wird 11.

Studien belegen, dass einer der Hauptgründe, warum Menschen ihren Fleischverzehr nicht reduzieren, den Gewohnheiten und Routinen im Alltag geschuldet sind 12 13 14.

Das kennen wir alle: Es ist immer schwer, bei neuen Verhaltensweise von Null auf 100 % zu gehen. Deshalb solltest du deine Ansprüche an dich nicht zu hoch setzten. Natürlich ist dein Ziel, vollkommen vegan und in Einklang mit deinen inneren Bedürfnissen zu leben – und dadurch die Welt jeden Tag ein Stückchen besser zu machen. Doch es ist vollkommen legitim, vielleicht sogar empfehlenswert, wenn du dich in deinem Tempo an den neuen Lebensstil herantastest.

Versuche es also „flexigan“: Soweit möglich ernährst du dich pflanzenbasiert, aber verbietest dir nicht, tierische Produkte zu essen. Je länger du dies tust, desto mehr wirst du merken, wie erfüllend eine vegane Lebensweise für dich ist, und desto leichter wird es dir wiederum fallen, auf Fleisch zu verzichten.

Jetzt bist du dran: Welche Möglichkeiten fallen dir noch ein?

Es sind sicher mehr, als du denkst. Denn am Ende des Tages weißt du am besten, was du brauchst, und bald hat sich deine Blockade vollständig gelöst. Alle Tiere zählen für dich als gleichwertige Lebewesen, denen kein Leid widerfahren soll und du kannst dich nicht mehr mit Menschen identifizieren, welche Tiere als Objekte behandeln.

Dein Weg dorthin beginnt jetzt! Mach den ersten Schritt.

Trage dich in den Newsletter ein

Und bekomme die Gratisbroschüre 

5 Blockaden der Selbstregulation die du jetzt knacken kannst dazu.



Quellenverzeichnis


  1. Heinrich Böll Stiftung. (2018). Fleischatlas - Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel.[]
  2. Herzog, H. (2014). The Story Behind the Book: Some We Love , Some We Hate , Some We Eat. November.[]
  3. Loughnan, S., Bastian, B., & Haslam, N. (2014). The Psychology of Eating Animals. Current Directions in Psychological Science, 23(2), 104–108.[]
  4. Loughnan, S., Haslam, N., & Bastian, B. (2010). The role of meat consumption in the denial of moral status and mind to meat animals. Appetite, 55(1), 156–159.[]
  5. Joy, M. (2009). Why we love dogs, eat pigs, and wear cows. Red Wheel/Weiser[]
  6. Pfeiler, T., & Wenzel, M. (2015). Psychologie – Von Mensch zu Tier. In Disziplinierte Tiere? Perspektiven der Human-Animal Studies für die wissenschaftlichen Disziplinen (pp. 189–228). Transcript.[]
  7. Noske, B. (2008). Die Entfremdung der Lebewesen. Guthmann-Peterson.[]
  8. Garnett, T., Mathewson, S., Angelides, P., & Borthwick, F. (2015). Policies and actions to shift eating patterns: What works? Foresight515, 518–522.[]
  9. Rizzo, N. S., Jaceldo-Siegl, K., Sabate, J., & Fraser, G. E. (2013). Nutrient profiles of vegetarian and nonvegetarian dietary patterns. Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics113(12), 1610–1619.[]
  10. Joyce, A., Dixon, S., Comfort, J., & Hallett, J. (2012). Reducing the environmental impact of dietary choice: Perspectives from a behavioural and social change approach. Journal of Environmental and Public Health2012(June).[]
  11. Fiddes, N. (2001). Fleisch - Symbol der Macht. (3rd ed.). Zweitausendeins.[]
  12. Graça, J., Oliveira, A., & Calheiros, M. M. (2015). Meat, beyond the plate. Data-driven hypotheses for understanding consumer willingness to adopt a more plant-based diet. Appetite90, 80–90.[]
  13. Dagevos, H., & Voordouw, J. (2013). Sustainability and meat consumption: Is reduction realistic? Sustainability: Science, Practice, and Policy9(2), 60–69.[]
  14. Lea, E. J., Crawford, D., & Worsley, A. (2006). Consumers’ readiness to eat a plant-based diet. European Journal of Clinical Nutrition60(3), 342–351.[]

Jay Pendragon

Über den Autor

Jay lebt pflanzenbasiert und ist seit über 15 Jahren kreativ tätig. Von Blog-Artikeln über Werbetexte bis hin zu eigenen Büchern – kein Genre ist vor Jay sicher. Als offen queere und diverse Person setzt sich Jay in eigenen Werken und Drehbüchern für eine inklusivere Medienlandschaft ein.

Ähnliche Artikel zu Selbstregulation vegan


{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Stelle Triebe wie Appetit und Sättigung wieder her, die durch Blockaden aus Erziehung, Gesellschaft und Chemie gestört sind.

5 Blockaden der Selbstregulation die du jetzt knacken kannst

>