Selbstregulation Glücklich
Zuletzt aktualisiert Oktober 21, 2020

Im Jahre 1939 wurde eine bahnbrechende Studie mit dem Titel Results of the self-selection of diets by young children durchgeführt (Davis, 1939). Die Wissenschaftler wollten Selbststeuerung in der Ernährung testen und untersuchten ob sich Kinder auch ohne Hilfe von außen, ganz auf sich alleine gestellt, ernähren können. Dafür gaben sie Kindern im Alter von 6 bis 11 Monaten unterschiedliche Lebensmittel wie Spinat, Haferflocken, Fisch oder Knochenmark zur Auswahl. Die Nahrungsmittel waren allesamt so natürlich und unverarbeitet wie möglich. Solch ein Studiendesign wäre heute aus ethischer Sicht nicht mehr erlaubt. Dennoch lief die Studie ganze sechs Jahre und brachte wirklich Erstaunliches zutage.

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Glaubst du an angeborene Selbststeuerung in der Ernährung?

Bevor ich dir das Ergebnis der Studie verrate, möchte ich dir eine Frage stellen:

Glaubst du, der Mensch weiß von selbst, was er an Nahrung braucht, ohne Hilfe von außen?
Glaubst du, du hast einen inneren Kompass, der anzeigt, was du zum Leben brauchst?

Das hört sich traumtänzerisch an, nicht? Einfach so nur auf den Bauch hören und perfekt versorgt sein, fast wie in einem Märchen. Außerdem, für was bräuchten wir dann die ganzen Empfehlungen, Richtlinien und Regeln?

Hast du eine Antwort? Vielleicht fällt dir die Beantwortung der Frage leichter, nachdem du die Selbststeuerung Definition aus einem anderen Bereich gesehen hast: Selbststeuerung in der Psychologie.

Selbststeuerung Definition in der Psychologie

Was ist Selbststeuerung?

In der Psychologie umfasst die Selbststeuerung unter anderem die Fähigkeit:

  • sich selbst bei emotionalen Turbulenzen zu beruhigen;
  • mit Frust umzugehen;
  • Absichten zu verwirklichen;
  • Soziale Kontake positiv zu leben.

Diese Fähigkeiten entwickeln sich, wenn wir Baby und Kleinkind sind, bis zum dritten Lebensjahr. Dabei hängt unsere Fähigkeit zur Selbststeuerung stark von den Erfahrungen aus dieser ersten Lebenszeit ab.

Zum Beispiel: Werden wir nicht beruhigt durch unsere Bezugsperson, so kann das zu verminderter Selbststeuerung und erhöhter Anfälligkeit für Dysbalancen durch Stress führen. Die Folge sind dann Ersatzhandlungen, die diesen Ausgleich von außen herbeiführen sollen: Alkohol, Zigaretten, Marijuana und andere Sucht- oder Zwangshandlungen.

Selbststeuerung Ernährung

Die ersten drei Jahre unseres Lebens sind entscheidend.

Nun zurück zur Frage und der offensichtlichen Antwort. Wie sieht das mit der Ernährung aus. Glaubst du, dort gibt es auch eine Selbststeuerung?

Du hast es dir sicher schon gedacht. Auch bei der Ernährung sind wir mit einer Selbststeuerung ausgestattet. Es gibt Gemeinsamkeiten mit der psychologischen Selbststeuerung. Eine der grundlegendsten ist, dass die Fähigkeit sich selbst zu regulieren das Leben bereichert.

Doch es gibt auch viele entscheidende Unterschiede. Einen erstaunlichen wirst du gleich durch das Ergebnis der anfangs vorgestellten Studie erfahren.

Doch zuerst bekommst du Einblicke, wie aktive Selbststeuerung in der Ernährung funktioniert.

Selbststeuerung lernen - diese Voraussetzungen brauchst du

In der Psychologie bedeutet Selbststeuerung dich selbst zu beruhigen wenn es emotional stürmisch wird, und dich zu motivieren und mit Lust zu füllen, wenn der Moment angemessen ist.

Genau das ist es für die Ernährung auch.

Beim Essen bedeutet Selbststeuerung, dass du weißt, wann es genug ist und du spürst, wann der Körper optimal versorgt ist. Es bedeutet aber auch Lust und Appetit auf Lebensmittel zu entwickeln und zu spüren, die zum aktuellen Zeitpunkt dazu beitragen, deinen Bedarf an Nährstoffen zu decken.

Die Voraussetzungen sind grob gesagt also:

  • Dein Körper entwickelt Appetit und Lust auf ganz bestimmte Lebensmittel, die dir gut tun. Er leitet dich mit natürlichen Signalen wie Sättigung an;
  • Du nimmst all die von deinem Körper entsandten Signale wahr und ernst.

Du musst beide Punkte erfüllen. Denn es kann zwar sein, dass dein Körper Signale der Selbststeuerung entsendet, du sie aber gar nicht wahrnimmst. Und es kann auch sein, dass dein Körper so verwirrt ist, dass er nicht mehr selbstgesteuert funktioniert.

Die Lösung und das Mittel zur Selbststeuerung und mehr Glück im Leben liegt also genau in diesen beiden Punkten.

Verarbeitete Ernährung stört Signale der Selbststeuerung

Wir leben in einer Welt, die auf weitgehend unangemessener und künstlicher Ernährung basiert. Diese Ernährung verwirrt deine Selbststeuerung.

Erst diese Woche erschien eine Studie, die die Ernährungsgewohnheiten von 611 übergewichtigen oder an Diabetes erkrankten Menschen in acht Ländern untersuchte, darunter Deutschland, USA und Argentinien. Ein Resultat war, gerade einmal 2,1 % aller Teilnehmer hatten eine Ernährung, die objektiv als gut eingestuft werden kann (Willey, Wakefield and Silver, 2020).

Was bedeutet das?

Das heißt meist zu viele Kalorien, zu wenig Nährstoffe, zu viel Verarbeitetes und zu viele Zusatzstoffe.

Jeder dieser Faktoren (Kalorien, Nährstoffe, Verarbeitung, künstliche Zusatzstoffe) beeinflusst deine Biologie, das Gleichgewicht deiner Physiologie, auf problematische Weise.

Alle Faktoren zusammengenommen, wie sie häufig in der westlichen Welt vorkommen, ist der Einfluss noch gravierender.

Ein Beispiel dieser Durcheinanderwirbelung unserer Biologie ist das Mikrobiom. In unserem Darm leben Milliarden von Bakterien, die von dem leben, was wir essen. Wenn wir verarbeitet und ungesund essen, züchten wir andere Bakterien in uns, als wenn wir gesund und natürlich speisen. Die von uns gezüchteten Bakterienstämme in unserem Darm regulieren unser Immunsystem, unsere Herz-Kreislauf-Gesundheit und unser Gehirn. Sie steuern sogar unser Verhalten, wie kleine Puppenspieler, und du bist die Puppe.

Letztlich kann man schon an diesem Selbststeuerung Beispiel sehr gut erkennen, welche weitreichenden Einflüsse die Ernährung auf die Selbststeuerung hat. Und wie nachdrücklich viele Menschen diese Fähigkeit unterdrücken und zerstören.

Dein Körper schreit, aber du hast was auf den Ohren

Du wirst mindestens einen der folgenden Fälle kennen oder sogar dich selbst darin entdecken:

  • Eva hat stechende Rückenschmerzen in der LWS. Sie hat einen Job der sie den ganzen Tag stehen lässt. Obwohl sie nicht mehr gut schlafen kann und Schmerzepisoden ihren Alltag prägen, sieht sie keinen Zusammenhang. Die vermeintliche Lösung sind Schmerzmittel und oberflächliche Krankengymnastik, eine schlechte Behandlung der Symptome.
  • Peter’s Grundnahrungsmittel sind Weißbrot, Zucker (Marmeladen, Aufstriche), reichlich tierische Produkte zu jeder Mahlzeit (Rotes Fleisch, Milch, Käse, Butter) und Alkohol. Er leidet unter Reflux, Trägheit, depressiven Episoden und Konzentrationsschwierigkeiten. Die Lösung sind Tabletten mit gefährlichen Nebenwirkungen gegen das Sodbrennen (Protonenpumpenhemmer), zu viel Schlaf und Akzeptanz der sinkenden Leistungsfähigkeit.

Aus diesen Beispielen sollen zwei Prinzipien klar werden, die Voraussetzung für eine funktionierende Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse sind.

  • Die Fähigkeit den Schrei wahrzunehmen;
  • Der Wille, diesen Schrei auch anzuerkennen.

Eva nimmt den Schmerz war, aber wahrscheinlich nicht im Zusammenhang mit ihrer Arbeit. Außerdem ist sie nicht bereit, den Schmerz als Warnzeichen des Körpers Gewicht einzuräumen.

Peter spürt die Signale nur teilweise (Reflux) und erkennt diese verspürten Signale nicht an, sondern bekämpft die Symptome (Tabletten). Andere Symptome wie Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten nimmt er gar nicht als Veränderung wahr, sondern hat diese Auswirkungen schon in seinen Tag integriert. Er lebt mit den Folgen ohne sie als solches wahrzunehmen.

Vorausgesetzt natürlich du bist bereit, dich selbst ernst zu nehmen: Stelle dir vor welche Macht du hast, wenn du jedes Signal sofort wahrnehmen und entsprechend reagieren kannst? Auch du kannst aktive Selbststeuerung lernen.

Selbststeuerung lernen

Finde, höre und pflege deine Fähigkeit zur Selbststeuerung für ein glückliches Leben

Als Mensch bist du mit vielschichtiger Fähigkeit zur Selbststeuerung ausgestattet. In uns drinnen wissen wir, was wir brauchen. Im Idealfall kann unser Körper an uns weitergeben, was er im Moment gerne hätte. Solch eine aktive Selbststeuerung macht zufrieden und glücklich. Egal ob im Bereich Ernährung, wo das Resultat Sättigung , Gesundheit und Befriedigung ist, oder im Bereich Psychologie, wo das Resultat Entspannung, Freude, Wohlgefühl und angenehme Erregbarkeit ist.

Allerdings haben die meisten Menschen verlernt, diese natürliche Power zu nutzen. Moderne Ernährung und fehlende Achtsamkeit sind das Vorhängeschloss deiner selbstgesteuert Ernährung. Verarbeitete Produkte, zu viel Energie und tierische Lebensmittel in der Ernährung stören unser Gleichgewicht und führen dazu, dass nicht einmal unser Körper noch weiß, was er braucht. Und nicht nur die Smartphone-Kultur führt zu immer weniger Achtsamkeit gegenüber der Umwelt und sich selbst.

Das ist schade. Denn eine funktionierende Selbststeuerung ist sehr viel mehr als nur Gold wert. Eine Studie untersuchte verschiedene Faktoren in Zusammenhang mit Glück im Leben. Nicht etwa IQ oder Gold (Geld) waren am stärksten damit verbunden, sondern die Fähigkeit zur Selbststeuerung. Nach der kurzen Betrachtung der beiden Bereiche Psychologie und Ernährung kannst du das jetzt nachvollziehen.

Dabei müssen wir Menschen diese Selbststeuerung für die Ernährung nicht einmal so aufwendig erlernen wie für die eigene Psyche. Denn die anfänglich erwähnte Studie zeigte Erstaunliches: Alle Kinder hatten sich selbst adäquat und ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Und nicht nur das. Kinder mit vorher bestehenden Nährstoffmängeln glichen diese sogar durch die Wahl ihrer Ernährung über den Studienzeitraum von sechs Jahren aus.

Das zeigt dir, du hast eine Autoregulation in dir, die funktioniert. Wenn du diese Selbststeuerung lernst und anzapfst, dann hast du den Schlüssel zu einem Leben das einfacher, intuitiver und reichhaltiger ist.


Literatur- und Quellenangaben

Davis, C. M. (1939) ‘Results of the self-selection of diets by young children’, Canadian Medical Association Journal, pp. 232–235.

Willey, J., Wakefield, M. and Silver, H. J. (2020) ‘Exploring the Diets of Adults with Obesity and Type II Diabetes from Nine Diverse Countries : Dietary Intakes , Patterns , and Quality’.


Sebastian

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Über den Autor

Ich bin Gründer von Mindfulplate und Dankbars, und über die letzten Jahre habe ich verschiedene Bücher, Artikel und Kurse erschaffen, um andere zu einer mutigen Ernährung zu inspirieren. Daneben verbringe ich die meiste Zeit damit, zu lesen, zu lernen und Fähigkeiten zu entwickeln, damit ich anderen Menschen helfen kann, ihre zu entwickeln. Auf Mindfulplate möchte ich dir helfen, eine selbstbestimmte, vegane Ernährung zu erreichen. Lies mehr über meine Story hier.

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