ärzte pflanzenbasierte Ernährung
Zuletzt aktualisiert Juni 11, 2021

Wir sehen einen nie dagewesenen Anstieg an sogenannten chronischen Zivilisationserkrankungen. Gleichzeitig gibt es viele Beweise für die vorbeugende Wirkung einer pflanzenbasierten Ernährung auf diese Krankheiten, manche Studien zeigen sogar die Erholung von bislang als unheilbar geltenden Krankheiten. Um dieses Potenzial zu nutzen braucht es dringend Anerkennung und Akzeptanz auf Seiten der praktizierenden Ärzte. Dieser Artikel beleuchtet, warum viele Ärzte keine pflanzenbasierte Ernährung empfehlen, vegan Arzt immer noch ein Widerspruch ist und warum sie dadurch ihrer Verantwortung nicht gerecht werden.

Chronische Erkrankungen nehmen uns auseinander

Mehr als die Hälfte der Menschen in den Industrienationen hat zumindest mit einer chronischen Erkrankung zu kämpfen. Chronische Erkrankungen sind für circa 85 % der Gesundheitskosten verantwortlich – ein immenser Anteil.

Zu diesen Krankheiten gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes Typ 2. Dennoch gelten diese Krankheiten bislang als unheilbar. Alles was die Schulmedizin, die meist auf Symptome bekämpfenden Medikamenten beruht, anbietet, ist die Verlangsamung des Krankheitsfortschritts.

Gleichzeitig eröffnet pflanzliche Ernährung viele neue Möglichkeiten der Behandlung von Patienten. Nicht nur über die Symptombekämpfung, sondern mit holistischem Verständnis. Das Ziel ist nicht nur die Verlangsamung der Krankheit, sondern die Vorbeugung, die Umkehr und die Heilung, entsprechend der alten Weisheit: die Ernährung ist die Wurzel vieler Krankheiten.

Warum vegan freundliche Ärzte?

Moderne Ernährung mit einem hohem Anteil an tierischen Produkten wie rotem Fleisch, Eiern und Milch steht in Verbindung mit systemischen Entzündungen, Insulinresistenz, erhöhtem Risiko für allergische oder auto-inflammatorische Erkrankungen und Krebs.

Vegan bedeutet den Verzicht auf tierische Lebensmittel und meist stärkeren Verzehr von Obst, Gemüse, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten und Samen. Darum ist diese Ernährung reicher an Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Gleichzeitig ist sie frei von Cholesterin und enthält weniger gesättigtes Fett und Kalorien.

Welche Beweise sprechen für pflanzliche Ernährung?

Epidemiologische Daten zeigen den Zusammenhang von vegan und gesund, können aber die Ursache nicht kausal belegen. Klinische Studien greifen diese Zusammenhänge heraus und belegen sie kausal in einem definierten Experiment. Es gibt immer mehr Beweise aus klinischen Studien, die die anfänglich gemachten Beobachtungen in Bezug auf den Zusammenhang mit Ernährung belegen.

Koronare Herzerkrankungen – Aufhalten durch pflanzlich

Wenn es um die häufigsten Todesursachen geht, dann stehen Herzerkrankungen an vorderster Stelle. Doch Forschung der Mediziner Esselstyn, Greger, Dean Ornish und Co. zeigt das große Potenzial einer pflanzenbasierten und vollwertigen Ernährung für Menschen mit Atherosklerose und Herzproblemen: Das Potenzial, solchen Krankheiten nicht nur vorzubeugen, sondern sie sogar aufzuhalten 1

In einem bekannten Versuch von Dr. Dean Ornish konnten 91 % der Patienten anhaltende Herzprobleme durch vollwertige Pflanzenkost loswerden. Eine Kontrollgruppe sollte sich in diesem Experiment normal weiter ernähren und gezielt auf den Ratschlag des Arztes hören. Während die pflanzenbasierte Gruppe die genannte Reduktion bei Herzproblemen einstrich, verdreifachten sich die Herzprobleme in der Kontrollgruppe, die auf den Arzt hörte.

Weitere Evidenz für eine pflanzenbasierte Ernährung kommt aus einer Studie von Dr. Caldwell Esselstyn. Er verschrieb 200 Patienten mit koronaren Herzerkrankungen Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Linsen, Gemüse und Obst. Öl, Milch, Fleisch, Fisch und viele verarbeitete Produkte dagegen waren Tabu.

Die Studie brachte über die nächsten 4 Jahre Beobachtungszeitraum Erstaunliches hervor: 93 % der Patienten konnten ihre Herzprobleme merklich verbessern, zudem konnten 99,4 % der Patienten, trotz der bedrohlichen Ausgangslage, einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod vermeiden. Aufschlussreich ist auch das Resultat bei den 21 Patienten, die sich nicht an die verschriebene Ernährung hielten. Dreizehn dieser 21 Patienten mussten schwere Folgen wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hinnehmen 2 3.

Diabetes Typ 2 ist eine Lifestyle-Erkrankung

Die Fälle von Diabetes Typ 2 haben sich seit den 80er Jahren vervierfacht. Es ist klar, dass Ernährung und Lifestyle die entscheidende Rolle spielen. Dr. Neil Bernard hat eine Reihe von Versuchen durchgeführt, die zeigen, dass vegane Ernährung das Körpergewicht normalisiert und Diabetes-assoziierte Blutparameter wie HbA1c verbessert.

Auch die Erkrankung der Nerven im Zusammenhang mit Diabetes mellitus, die diabetische Neuropathie, konnte durch eine pflanzenbasierte Ernährung gelindert werden. Über lange Beobachtungszeiträume von mehreren Jahren konnte Diabetes Typ 2 erfolgreich durch eine pflanzenbasierte Ernährung bekämpft werden. Die Patienten blieben schmerzfrei und hatten eine immens gesteigerte Lebensqualität.

Pflanzenbasiert ist das neue Aspirin

Auch andere Erkrankungen wie Arthritis, Asthma, Hauterkrankungen oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen zeigen ähnliche Verbesserungen durch pflanzenbasierte, vollwertige Ernährung. Die Zahl der Studien und Beweise zur pflanzenbasierten Ernährung nimmt stetig zu.

Eine pflanzenbasierte Ernährung ist ein wirksames Mittel - nicht nur zur Vorbeugung und Behandlung, sondern auch zur Erholung von Krankheiten, die bis vor kurzem als chronisch und unheilbar galten. Chronische Krankheiten, die einst als irreversibel fortschreitend galten, könnten durch pflanzliche und vollwertige Ernährung tatsächlich aufgehalten werden.

vegan arzt

Sollte der Arzt vegane Ernährung empfehlen?

Der Hippokratische Eid verpflichtet Ärzte, Patienten vor Schaden zu bewahren. Auch der Internationale Kodex für medizinische Ethik des Weltärztebundes verlangt von Ärzten, dass sie ihre Rolle bei der Aufklärung der Öffentlichkeit anerkennen. Wenn es Heilungschancen gibt, sollten diese auch genutzt werden.

Bei konventionellen Behandlungsmethoden nutzen Ärzte aber häufig Medikamente gegen Symptome, die nicht die Wurzel des Übels bekämpfen. Das belegen die steigenden Krankheitszahlen und immer mehr Menschen, die unter drastischen Einbußen ihrer Lebensqualität leiden.

Doch ein Arzt hat die ethische Verpflichtung, zum Wohle anderer zu handeln. Dazu gehört auch die Empfehlung, potenzielle Schäden durch eine stark tierlastige Ernährung abzuwenden.

Wenn es für viele Erkrankungen die Möglichkeit einer nachhaltigen Verbesserung oder Erholung gibt, wieso sollte ein Arzt nur die Symptome behandeln? Und dazu noch mit Mitteln der Pharmazie, die ökonomisch belastend und durch Nebenwirkungen potenziell schädlich sind?

Die Wissenschaft der Medizin und Ernährung entwickelt sich kontinuierlich weiter. Somit ist klar, dass Fort- und Weiterbildungen für Ärzte essenziell sind, um der Verpflichtung gegenüber dem Patienten gerecht zu werden. Es ist die Verantwortung des Arztes, evidenzbasierte Behandlungsoptionen anzubieten, die sinnvoll sind. Man könnte das auch anders formulieren und sagen: Ärzte haben die Verpflichtung, dem Patienten die Wahrheit zu sagen und ihn vollumfänglich aufzuklären - zum Beispiel über die Chancen pflanzlicher Ernährung.

In jungen Jahren wollte ich fasten ausprobieren. Ich war vorher wegen etwas anderem bei meinem Hausarzt, aber wollte das Fasten noch ansprechen. Die Antwort des Arztes war eine Mischung aus Schock, Belächeln und Mitleid. Wie könnte ich nur ans Fasten denken, in meinem zarten Alter. Ich sollte doch lieber Schweinshaxen essen und Bier trinken (O-Ton). Was in dem Moment wahrscheinlich nett gemeint war und nicht pauschal auf alle Ärzte übertragen werden sollte, offenbart das Problem Ernährung bei Ärzten.

Vielen Ärzten fehlt die Ausbildung

Wissenschaft und Ethik sollten es praktizierenden Ärzten nahelegen, den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit nicht zu übergehen. Nur eine gesunde Ernährung packt viele Übel an der Wurzel und nicht ausschließlich Medikamente.

Ein Problem vieler Ärzte sind zu wenig aktuelle Informationen in Sachen Ernährung. Ärzte müssen ein weites fachliches Feld abdecken, die Ernährung kommt dabei zu kurz. Sie sind oft nicht ausreichend ausgebildet, um Patienten Empfehlungen in Bezug auf einen gesunden Lebensstil und gesunde Ernährung zu geben.

Aber auch hier ist das keine Entschuldigung. Der Internationale Kodex für ärztliche Ethik des Weltärztebundes besagt "Wann immer eine Untersuchung oder Behandlung über die Möglichkeiten des Arztes hinausgeht, sollte er sich mit einem anderen Arzt, der über die notwendigen Fähigkeiten verfügt, beraten oder an ihn verweisen.“ Daher ist Unkenntnis keine Ausrede und sollte pro-aktiv bewältigt werden.

Dazu gehört zum Beispiel, dass vegan oder vegetarisch nicht automatisch gesund heißt. Vegane oder Vegetarische Ernährung kann gesüßte Getränke, raffiniertes Getreide, Fleischersatzprodukte, Tiefkühlgerichte, Pommes Frites oder Süßigkeiten enthalten. Solche hochverarbeiteten Lebensmittel werden mit vielen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Diese Differenzierung von Seiten des Arztes ist wichtig, um die oben genannten gesundheitlichen Erfolge zu erreichen. Dafür braucht es vegan freundliche Ärzte.

Vegan freundliche Ärzte oder Fußtritt gegen Hippocrates?

Allen Belegen zum Trotz ist die pflanzliche Ernährung nicht in der standardisierten Schulmedizin angekommen. Ärzte mit einem ernährungsbasierten Ansatz werden häufig ausgegrenzt oder wenig respektiert.  Dabei wissen wir heute ganz genau, dass die vollwertige, pflanzliche Ernährung ein mächtiges Werkzeug ist.

Der Arzt, der die pflanzenbasierte, vollwertige Ernährung nicht einsetzt und sie nicht zum Wohle des Patienten nutzt, obwohl sie wahrscheinlich Linderung verschaffen würde, handelt entgegen des Eids, auf den er einst geschworen hat. Darum sollte der Arzt vegan als legitime Behandlung bestimmter Erkrankungen in Erwägung ziehen und Patienten ermutigen, ihre Ernährung zu verbessern. 

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Quellenangaben


  1. Klaper, M. (2019). What every doctor needs to know about nutrition. VegMed 2019 Europe’s Biggest Scientific Conference on Plant-Based Nutrition.[]
  2. Esselstyn, C. B., Gendy, G., Doyle, J., Golubic, M., & Roizen, M. F. (2014). A way to Reduce CAD? The Journal of Family Practice, 3(7), 356–364.[]
  3. Esselstyn, C. B., Ellis, S. G., Medendorp, S. V., & Crowe, T. D. (1995). A strategy to arrest and reverse coronary artery disease: A 5-year longitudinal study of a single physician’s practice. Journal of Family Practice, 41(6), 560–568.[]

Sebastian

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Über den Autor

Sebastian hat verschiedene Bücher, Beiträge und Kurse erschaffen, um andere zu einer mutigen Ernährung zu inspirieren; damit Menschen die Vorzüge einer pflanzenbasierten Ernährung entdecken können. Lies mehr über Sebastian's Story hier.

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