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Zuletzt aktualisiert August 7, 2020

Soja-Hack, veganer Burger Pattie oder Saitan-Wurst. Diese neue Generation der Lebensmittel bringt große Uneinigkeit. Veganer feiern die Vielfalt und den originalen Geschmack der Nachahmungen, andere sind der Meinung, dass keine Nachahmungen notwendig sind. In Punkto Gesundheit sind die Ersatzprodukte tatsächlich nicht zu empfehlen. Doch der Wert von Ersatzprodukten geht über die kurzfristige Beurteilung des Ernährungsplans hinaus. Warum Ersatzprodukte trotz gesundheitlicher Wirkung ein Wunder sind.

Trend mit Gesundheitsproblem

Egal wo, vegane Ersatzprodukte sind Thema des Tages. Veganer probieren sich durch das mittlerweile große Sortiment, selbst Vegetarier und Fleischesser greifen immer öfter zum pflanzlichen Pendant. Das ist bezeichnend dafür, wie gut pflanzliche Ersatzprodukte geschmacklich mittlerweile an das Original herankommen.

Doch der steigende Konsum dieser Ultra-Hoch-Verarbeiteten (UHV) Lebensmittel bereitet auch Sorgen. Denn stark verarbeitete Lebensmittel schaden der Gesundheit. Das zeigt auch die neue Arbeit französischer Forscher aus Paris.

Der Health-Index sagt: Es ist ungesund

Bei der Betrachtung des Essverhaltens von über 21.000 Menschen belegten die Wissenschaftler, was offensichtlich scheint. Je stärker Menschen auf tierische Lebensmittel verzichteten, desto eher griffen sie zu UHV Lebensmitteln (Gehring et al., 2020).

Veganer mehr als Vegetarier mehr als Fleischesser.

Praktisch bedeutet das, je mehr auf tierische Produkte verzichtet wird, desto mehr Pflanzenmilch, Käse-Ersatz oder Fake-Meat konsumieren die Menschen.

Beitrag von pflanzlichen Fleischersatzprodukten (texturierte Sojaprotein-Nahrungsmittel, vegetarische Frikadellen und pflanzliche Getränke) zur Gesamtenergieaufnahme aus UVP Lebensmitteln bei Fleischessern, Pesco-Vegetariern, Vegetariern und Veganern (Gehring et al., 2020)

Auch die Sache mit der Gesundheit ist klar. Je mehr UHV Produkte konsumiert werden, desto ungesunder wird die gesamte Ernährung. Dieser Sachverhalt führt zu einem paradoxen Ergebnis. Denn einerseits stellen Veganer die Gruppe von Menschen mit der gesündesten Ernährung. Aber andererseits gibt es Veganer Untergruppen, die durch viele UHV Produkte sehr ungesund essen.

In letzterem Fall, so befürchten auch die Autoren der französischen Studie, könnte „eine höhere Aufnahme der verarbeiteten Form von pflanzlichen Lebensmitteln ihre potenziellen positiven Auswirkungen auf die Gesundheit verringern oder aufheben […]“.

Das bedeutet der gesundheitliche Vorteil durch das Weglassen der tierischen Produkte wird durch viele UHV Lebensmittel nichtig.

Kürzliche Umstellung in jungem Lebensalter führt zu mehr Ersatzprodukten

Besonders Menschen die in jungen Jahren ihre Ernährung umkrempeln, neigen zu mehr Ersatzprodukten. Ebenso essen Menschen dann viele Ersatzprodukte, je kürzer die Umstellung zurückliegt (Gehring et al., 2020).

Diese Fakten bestätigen die Annahme, dass Ersatzprodukte bei der Umstellung helfen. Denn gesunde Nahrungsmittel und eine gesunde Ernährung nehmen bei den meisten Menschen über die Zeit nach der Umstellung graduell zu. Weil es meist Zeit dauert, bis Informationen und Praxis der Entscheidung auf tierische Produkte nachfolgen (McDonald, 2000; Hoffman et al., 2013).

Gerade junge Menschen in der heutigen Zeit haben Zugang zu nie dagewesenen Informationen und Möglichkeiten. Die heutige Gesellschaft ist offener als noch vor 10 oder 20 Jahren und diskutiert tierfreie Lebensweise in vielen Instanzen. Vor 20 Jahren konnte man im Wortschatz großer Zeitungen vergeblich nach dem Wort „vegan“ suchen. Daher ist es keine Überraschung, dass besonders Menschen die jung zur pflanzlichen Ernährung wechseln, verstärkt UHV Produkte konsumieren (Gehring et al., 2020).

Ersatzprodukte sind hervorragend und schrecklich zugleich

Ersatzprodukte helfen die Konditionierung abzulegen und sich graduell umzustellen. Aber sie können die als außerordentlich gesund geltende vegane Lebensweise ungesund machen.

Wenn du Ersatzprodukte konsumierst, dann ist es sinnvoll, die Verarbeitung nicht aus den Augen zu verlieren. Es ist toll, auf tierische Produkte zu verzichten. Aber natürliche Ernährung und die eigene Gesundheit sind der einzige Weg, ein langes und vor allem gesundes Leben zu führen.

Die meisten Umsteller auf pflanzliche Ernährung gehen die Umstellung zu natürlicher Ernährung Schritt für Schritt. Genauso wie Menschen, die noch nie etwas von pflanzlicher Ernährung gehört haben. Es ist ein natürlicher Prozess des Entdeckens. Das dauert eben.

Neue Daten zeigen, dass Veganer und Vegetarier im Austausch gegen Fleisch mehr UHV Produkte essen (Gehring et al., 2020). Aber das ist kein Grund, mit einer schrillen Alarmglocke durch die Straßen zu rennen und mit dem Finger auf alle an der Kasse mit Veganer Wurst zu zeigen. Vielmehr ist es Ausdruck der Möglichkeiten, die es heute gibt, um den Umstieg so angenehm und komfortabel wie möglich zu machen. Denn die Konditionierung von früher verlangt nach Fleischersatz.

Auch wenn sich das in Zukunft glücklicherweise drastisch ändern wird. Die heutigen Erwachsenen sind zum überwältigenden Großteil sehr tierlastig aufgewachsen. Damit besteht eine starke Konditionierung von Geschmack und Lust. Durch Ersatzprodukte ist es möglich, heute die Entscheidung zu treffen, auf tierische Produkte zu verzichten und wie gewohnt weiter zu essen. Wenn das kein Wunder an sich ist.


Literatur

Gehring, J. et al. (2020) ‘The consumption of ultra-processed foods by fish-eaters, vegetarians and vegans is associated with the duration and commencing age of diet’, Proceedings of the Nutrition Society. Oxford University Press, 79(OCE2). doi: 10.1017/s0029665120004152.

Hoffman, S. R. et al. (2013) ‘Differences between health and ethical vegetarians. Strength of conviction, nutrition knowledge, dietary restriction, and duration of adherence’, Appetite. Elsevier Ltd, 65, pp. 139–144. doi: 10.1016/j.appet.2013.02.009.

McDonald, B. (2000) ‘“Once You Know Something, You Can’t Not Know It” An Empirical Look at Becoming Vegan’, Society & Animals, pp. 1–23.


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